Inflation: Warum dein Geld weniger wert wird

Warum Ökonomie dich betrifft

Eine systematische Einführung in Inflation: wie sie gemessen wird, welche Ursachen sie hat, wer von ihr profitiert und wer verliert. Der Text zeigt historische Episoden von der Weimarer Hyperinflation bis zur Preisspitze 2021–2023 und stellt die geldpolitische Debatte ausgewogen dar.

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Was ist Inflation – und wie wird sie gemessen?

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Definition und Messung#

Inflation bezeichnet den anhaltenden Anstieg des allgemeinen Preisniveaus in einer Volkswirtschaft. Ein einzelner Preissprung (z. B. höhere Spritpreise an einem Wochenende) ist noch keine Inflation; erst ein breiter, systematischer Trend ist gemeint. Das Gegenteil – ein allgemeiner Preisrückgang – heißt Deflation.

Der Verbraucherpreisindex (VPI)#

In Deutschland misst das Statistische Bundesamt (Destatis) Inflation über den Verbraucherpreisindex (VPI). Grundlage ist ein Warenkorb mit rund 650 Güterarten und Dienstleistungen, gewichtet nach ihrer Bedeutung im durchschnittlichen Haushaltsbudget. Die Gewichte stammen aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS), die alle fünf Jahre durchgeführt wird.

Auszug aus der Gewichtung 2023:

AusgabenbereichAnteil am Warenkorb
Wohnen, Wasser, Energie25,9 %
Verkehr11,3 %
Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke10,8 %
Freizeit, Unterhaltung, Kultur11,1 %
Gaststätten, Beherbergung5,5 %
Bildungswesen0,9 %

Quelle: Destatis, Wägungsschema VPI 2020 = 100.

Monatlich erfassen Preiserheber ca. 300.000 Einzelpreise in Supermärkten, Onlineshops und Dienstleistungsbetrieben. Aus diesen Daten entsteht der monatliche VPI.

Kerninflation#

Die Kerninflation (core inflation) lässt stark schwankende Positionen wie Energie und unverarbeitete Lebensmittel aus. Sie zeigt den strukturellen Preisdruck einer Volkswirtschaft besser als die Gesamtinflation. 2023 lag die Gesamtinflation in Deutschland bei 5,9 %, die Kerninflation bei 5,1 % (Destatis).

HVPI – der europäische Vergleichsindex#

Für Vergleiche innerhalb der EU berechnet Eurostat den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI). Er basiert auf einem methodisch einheitlichen Warenkorb. Wenn die Europäische Zentralbank ihr 2 %-Inflationsziel formuliert, bezieht sie sich auf den HVPI des Euroraums, nicht auf den deutschen VPI.

Kaufkraft – das, was wirklich zählt#

Inflation ist keine abstrakte Statistik. Wenn Preise um 5 % steigen und Löhne nur um 2 %, verliert man real 3 % Kaufkraft. Destatis meldete für 2022 einen Reallohnrückgang von 4,0 % – der stärkste seit Beginn der Zeitreihe. Erst 2023 und 2024 erholten sich die Reallöhne wieder leicht.

Wer Inflation verstehen will, muss also drei Dinge trennen: die Preisveränderung (VPI), die Lohnveränderung (Tarif- und Effektivverdienste) und die Kaufkraftveränderung (Reallohn). Diese drei Zahlen zusammen ergeben erst das vollständige Bild.

Warum einzelne Wahrnehmung und amtliche Inflation auseinanderliegen können#

Viele Menschen haben das Gefühl, die tatsächliche Inflation sei höher als die offiziellen Werte. Das liegt daran, dass jeder Haushalt einen eigenen Warenkorb hat: Alleinstehende in Mietwohnungen, Familien mit Kindern oder Rentnerhaushalte geben sehr unterschiedlich viel für Energie, Nahrung oder Wohnen aus. Destatis veröffentlicht deshalb ergänzend haushaltsspezifische Inflationsraten. Wer die eigene Teuerung abschätzen möchte, kann den persönlichen Inflationsrechner von Destatis (destatis.de) nutzen.

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